Nord (Panorama)
Ein “antidepressives Off-Road-Movie” steht auf dem Filmplakat und auch Regisseur Rune Denstad Langlos unterstreicht diese Betitelung seines ersten Spielfilms. Joh, das passt, kann man da nur sagen.
Skiliftwart Jomar Henriksen (Anders Baasmo Christiansen) hat schon bessere Tage gesehen. Mit den Nerven ist er absolut am Ende. Die Therapeutin beißt sich an dem Sturkopp die Zähne aus. Sein Faible für Katastrophendokumentationen, das Ketterauchen und das Saufen von Schnaps aus dem 5-Liter-Kanister bringt ihn auch nicht gerade besser drauf.
Erst recht nicht sein alter Freund Lasse, der den Eigenbrödler auf seiner einsamen Hütte besucht. Erstmal gibt es auf die Rübe. Warum? Natürlich wegen einer Frau. Doch beim anschließenden Versöhnungs-Bierchen erfährt Jomar, dass seine Ex Linnea ein Kind von ihm hat. Zunächst ein Schock für den Depri. Doch da er beim Essen kochen seine Hütte in Brand setzt (und zudem unwillige ist, den Feuerlöscher zu benutzen), düst Papa Lomar mit dem Schneemobil gen Norden zu seinem Kind.
Auf den schlappen 900 Kilometern, die nun vor ihm liegen, wird er mit extremen Herausforderungen konfrontiert, die stets in witzig-schrägen Situationen enden. Jomar wird dabei einige erstaunliche Menschen kennen lernen, deren Eigenwilligkeiten zur Freude des Zuschauers prächtig mit seinem Wesen korrespondieren: Ein kesses Mädchen und dessen grantige Großmutter, die den Schneeblinden bei sich aufnehmen, einen jungen homophoben Mann, der wahrlich skurrile Techniken des Alkoholkonsums beherrscht, Soldaten auf Übung (die ihn dankenswerterweise nicht erschießen) und einen alten Samen, der sich an seinen Motorschlitten gebunden hat.
Regisseur Rune Denstad Langlos und sein Kameramann Philip Øgaard erzählen die Geschichte in grandiosen Aufnahmen von der norwegischen Landschaft – ein echter Augenschmaus. Und ihnen gelingt es, die Eigenschaften der schrulligen Typen mit einem einzigen Bild auf den Punkt zu bringen. Ein Film, der einfach Spaß macht und der trotz 900 Kilometern Schnee und Eis keine Längen aufweist.
Aberwitzige Situationskomik und staubtrockene Dialoge taten dann auch ihre antidepressive Wirkung beim Berlinale-Publikum und so blieb kaum ein Auge trocken. Mal wieder schöne (Film-)Medizin aus dem hohen Norden.
jp

