“Cave Of Forgotten Dreams“ – Steinzeitkunst in 3D
jens am 21. February 2011 um 15:55In einem Dokumentarfilm über eine sensationelle Entdeckung aus dem Jahr 1994 nutzt Werner Herzog die Möglichkeiten der 3D-Technik für einige eindrucksvolle Kamerafahrten durch das pittoreske Flusstal der Ardèche, aber vor allem um den Zuschauer hautnah an der Erkundung einer Höhle mit urzeitlichen Malereien teilhaben zu lassen.
1994 entdeckten die Höhlenforscher Jean-Marie Chauvet, Eliette Brunel Deschamps und Christian Hillaire in Südfrankreich die bei Weitem ältesten Spuren menschlicher Zivilisation. Mindestens 32.000 Jahre alt sind die Wandmalereien in der nach dem Entdecker benannten Chauvet-Höhle. Zum Vergleich: die früheren Rekordhalter in der Höhle von Lascaux werden datiert auf ein Alter von lediglich 15.000 bis 17.000 Jahren.
Der Zugang zu der steinzeitlichen Kultstätte ist ebenso streng gesichert wie limitiert, Bilder aus ihrem Inneren sind daher umso wertvoller. Die 3D-Optik macht darüber hinaus die Erforschungen in der Unterwelt zu einem noch faszinierenderen Erlebnis: Sie lässt den Zuschauer mit hinabsteigen in die Frühzeit der Menschheit, unterstreicht die Erhabenheit dieser prähistorischen Kathedrale mit ihren bizarren Tropfsteinformationen, den teils mit Kalkstein überlagerten Bärenschädeln, menschlichen und tierischen Fußabdrücken sowie den in die Wände geritzten und gemalten Werken unserer Vorfahren. Besonders eindringlich wirken die Kamerafahrten über den Boden und in die Tiefen der einzelnen Grotten: bis zu 17 Meter hohe, 40 mal 60 Meter große Säle, deren genau Erforschung noch in den Anfängen steckt
Der 3D-Optik gelingt es aber auch zu verdeutlichen, wie bereits der Mensch der Steinzeit um eine räumliche Darstellung gerungen hat. Vorsprünge und Rundungen im Fels wurden bewusst genutzt, um bei den Tierbildern einen dreidimensionalen Effekt zu erzeugen. Darüber hinaus wurde versucht, Bewegung durch eine Verdopplung der Anzahl der Beine zu simulieren.
Dem Abbild seiner Welt möglichst viel Leben einzuhauchen, scheint den Menschen also schon seit geraumer Zeit zu beschäftigen. Die 3D-Technologie ist der momentane Stand der Dinge und Herzog und sein Team verstehen es, sie für die Dokumentation dieser kulturgeschichtlichen Sensation vortrefflich zu nutzen.
Dass der Regisseur dabei eine beinahe drollige pseudo-philosophische Geschwätzigkeit während der Interviews an den Tag legt, sei ihm verziehen, denn nichtsdestotrotz hat er eindrucksvoll beweisen, wie überaus sinnvoll und lehrreich 3D jenseits von Effekthascherei eingesetzt werden kann. jp


















